Freitag, 19. Februar 2016

Aufstehen, Krönchen richten und ATTACKE!!!



Es kann wieder losgehen!! GO vom Doktor, dass ich starten kann langsam zu belasten.
Angefangen mit charmanten 25kg, darf ich das Gewicht meines Körpers hoffentlich in zwei Wochen wieder gerecht auf zwei Beine aufteilen. Mit dieser freudigen Botschaft komm ich nach Haus und versuche mich, natürlich ganz, ganz vorsichtig, auf die Waage zu stellen. So geschafft, ich steh drauf, guck runter… Und was zeigt die Waage an? 7kg?!? Ok, zweiter Versuch: volle Power! 9kg. Möglicherweise dauert der Prozess doch länger als erwartet :/
Am nächsten Tag hab ich mich nochmal mit einer unserer ortsansäßigen Physiotherapeutinnen ausgetauscht, die mich so super unterstützt hier. Selbstverständlich schont sich die liebe Frau Simon kräftig und zum Zweiten schleuder ich meinen hilflosen Fuß, der noch immer ein bisschen sehr entspannt am Bein hängt, zunächst mit der Fußspitze auf die Waage. Kein Wunder, dass die nix aushält. Die Ferse zuerst, alles bissl professioneller und schon klappt die Geschichte! Erste Schritte, Treppe steigen und viel, viel Motivation haben echt wieder Schwung in die Sache gebracht. Fühlt sich mittlerweile schon fast wieder vernünftig an alles.

Und noch etwas Tolles aus meiner Highlightkiste: Mathild startet mit kleinen Liegestützen! Oberkörper abheben, Beine von hinten in Position und bereit zum Abflug. Leider spielen die Arme noch nicht ganz mit, sodass für die Landung häufig noch der Kopf herhalten muss. Aber sie beißt sich durch (das tut sie wahrlich)
Mit dem ersten Brei haben wir nun auch begonnen. Pastinake scheint tatsächlich ihr Ding zu sein... Kennen Leute ohne Kinder eigentlich Pastinaken?
Ich denke 1/5 Gläschen wird es wohl gewesen sein. Allmählich hat die junge Dame sogar von allein ihr Schnütchen geöffnet. Mal schauen, ob es so entspannt bleibt…

Und nun muss ich mal ein bisschen zornig werden. Die letzten Impfungen standen nämlich an und das haben wir nun nochmal hier in CC gemacht. Unsere erste Impfrunde hier verlief noch entspannt im International Department des FAW-VW-Krankenhauses. Hierzu kommt etwa einmal im Monat ein Kinderarzt aus Peking, der auch die U-Untersuchungen durchführt und internationale Sera dabeihat. Bei unserem kurzen Abstecher nach Peking haben wir noch ein paar Krankheiten präventiv bekämpft und der Rest stand nun auf der Tagesordnung… Doch der Prozess hat sich zwischenzeitlich geändert. Nun sammelt man sich beim Arzt, fährt etwa 10Minuten zum Impfcenter und stellt sich dort wie auf dem Bahnhof in ein mehr als schmuddeliges Wartezimmer. Vielleicht eher ein Warteflur! Stehenbleiben ist in jedem Fall die bessere Alternative -auch für Einbeinige. 
Mit uns warteten etwa 40 Eltern bzw. Großeltern mit ihren Kindern aller Altersklassen (angefangen von frisch geboren!). Irgendwann ist man aus irgendeinem Grund an der Reihe, wird in einen großen Raum geschleust, um sein Kind dort vorzustellen. Auf etwa 25qm tummeln sich weitere 15Kinder mit Anhang und zentral befindet sich ein großer Tisch mit Folie bespannt und allerhand „Krankenschwestern“ dahinter. Wer an der Reihe ist, unterschreibt irgendwas (wohl für den Impfstoff, den ich nie kontrollieren konnte), entblößt sein Kind und schon geht’s los. Pro Kind ist wohl nur eine Minute einkalkuliert, denn die nächste Truppe steht schon dicht! hinter einem. Kein Interesse, ob das Kind gesund ist, niemand zeigt dir die Spritze oder weist sich gar selber irgendwie aus. In China ein Zugticket zu kaufen, hat einen ähnlichen Ablauf. Ich kann gar nicht beschreiben wie unglaublich dreckig und eklig diese Location war. Niemand hat vor oder nach uns den Tisch abgewischt, Hände gewaschen oder irgendwas in der Art.
Im Twist und mit schreiendem Kind auf dem Arm hab ich mich dann zu einem 2m entfernten Fensterbrett geschwungen, hingesetzt und den ganzen Staub von dort schön mit dem Mantel aufgesogen. Mindestens zwei Wochen hat dort niemand gewischt -so sah auch der Fußboden aus. Das Pflaster auf Mathilds Bein hat die Einstichstelle um 2cm verfehlt! Im Nachhinein ärger ich mich so sehr, dass ich nicht kurzfristig einen Rückzug gemacht hab.
Aber das Kind ist noch immer fröhlich, kein Fieber, keine Entzündung, alles gut :)

Was dieser neue Prozess bietet, außer Fahrerei, Stress und wahnsinnig viel Verschmutzung, ist mir nicht klar. Eins ist aber wieder sicher: Hintergrund ist garantiert irgendein Politikum.
In Zukunft werden wir jedenfalls bevorzugt in Deutschland oder Peking impfen…

Aber so können wir diesen Post ja nicht abschließen:
Nunja, wettertechnisch geht’s bei uns nun bergauf. -20°C hatten wir schon sehr, sehr lange nicht mehr. Auch das wirklich dicke Eis und der (zum Teil Neu-)Schnee auf den Straßen ist nahezu verschwunden. Sogar die Luft ist sensationell im Moment…Es wird also Zeit für Frühling J


PS: Heute mal ein Post ohne Fotos, weil mein Hady seit dem letzten Reparaturversuch vorübergehend im Koma liegt. 

Montag, 15. Februar 2016

In Fernost nichts Neues…



Und wieder ist eine Woche rum. Bald ist die OP tatsächlich schon 4 Wochen her! Am Donnerstag habe ich wieder einen Arzttermin, bei dem sicher geröntgt wird. Anschließend wird mir hoffentlich mitgeteilt, dass ich nun so langsam wieder anfangen kann zu belasten. Schmerzen habe ich eigentlich keine mehr, es kann also losgehen :)

Widererwartend gibt’s bislang nichts Neues. Hin und wieder sind wir mal gemütlich irgendwo eingeladen oder gehen hübsch etwas essen. Neulich waren wir beispielsweise im Bella Italia. Ein Italiener mit ganz sonderbarer Einrichtung. Das Essen war ok, aber das Highlight war im Grunde endlich mal wieder eine Lasagne auf dem Teller zu haben. 


Alles in allem fehlt es mir hier jedoch bisher an nichts. Da ich sowieso nicht die große Köchin bin, mangelt es auch nicht an notwendigen Zutaten. Für Nudeln mit Tomatensoße reicht es allemal. Und zurzeit kocht ja eh meine liebe Ayi -und das in der Tat ganz vorzüglich! Die ein oder andere Backzutat würde das Leben bissl erleichtern, aber man überlebt wohl auch ohne Schmand. Außerdem habe ich eine Joghurtmaschine bekommen. Von meinem ersten Joghurt bzw. Quark werde ich dann berichten :)

Auch gibt es leckeres Brot im Hotel, was wohl von der „Backstube“ geliefert wird. Im Walmart und spätestens in der Metro ist sowieso nahezu alles zu bekommen. Ein Döner oder mal ein schönes Schnitzel, ja vielleicht mal eine Hühnersuppe von Mutti wären kleine Highlights, aber das steigert nur die Vorfreude! Gerade sind wir nämlich schon kräftig am Flüge suchen für unsere Heimreise. Gar nicht so einfach, denn Flüge aus China (C-D-C) sind immer sehr, sehr teuer, wohingegen quasi der gleiche Weg nur aus Deutschland (D-C-D) etwa die Hälfte kostet. Es liegt einfach viel zu viel an in diesem Jahr, weswegen wir gar nicht alle Events wahrnehmen können… Aber der Wille ist da!

Da nun offensichtlich nicht viel passiert ist, nutze ich die Leere um nun doch von unserem Ausflug zum Moonlake zu berichten. Dieser ist als eine Art „Naturschutzgebiet-Besucherpark-Naherholungsgebiet“ zu verstehen. 
 Man zahlt Eintritt pro Person und separat nochmal fürs Auto und kann dann entspannt um den See fahren. Niemand muss aussteigen, niemand muss wandern… 










Zum Zeitpunkt unseres Besuchs war es natürlich bitter kalt (Wir wollten eigentlich für Harbin üben) und der See war zugefroren. Am Ufer waren meistens kleine Rinnen ausgeschlagen, in denen das Wasser nicht gefroren war. Weiblich geschätzt war der See mindestens einen Meter tief gefroren. Ein wahnsinniger Anblick. Überall waren Fußspuren erkennbar und hin und wieder auch kleine Löcher oder Unebenheiten, die auf Eisangler hindeuteten.


Sehr imposant sind auch die Schiffe am Rand, die dort liegen, als würde ab morgen wieder besseres Wetter werden. Aber das wär sehr schade, denn es gibt nämlich einiges zu erleben.




Neben einer Gummireifenrodelbahn gibt es eine Art Skihang (Ihr wisst, ich kenn mich in der Fachsprache dazu nicht wirklich aus), Schneemobile aller Couleur (kleine Panzer mit irgendwelchen Schießvorrichtungen, Jeeps, Quads, Fahrräder, …)


Das Highlight ist jedoch ein großes Areal mit wundervollen Schneebauten. Hier ist nochmal separat Eintritt zu zahlen. Wir waren leider zu spät dran, deswegen kann ich nur Vermutungen anstellen. Es muss wohl begehbare „Paläste“ und zahlreiche Statuen gegeben haben. Nunja, allein die Silhouette aus der Ferne war schon imposant.

All die Kunstwerke befanden sich außerdem direkt auf dem See. So auch die Parkplätze für die Besucher.


Für ein bisschen Abwechslung sorgen im Sommer außerdem diese hübschen Wanderwege. Es sind Stege, die mitten in den Wald gebaut sind, sodass man mit jedem Schuhwerk einen Waldspaziergang vornehmen kann. Sieht etwas befremdlich aus, wird aber hervorragend gepflegt. Zudem gibt es eine Blockhütte, die als Imbiss dient und Gerichte wie Gulasch oder Würstchen auf der Karte hat (Foto vergessen) -auch eine Backstube.

 


Dienstag, 9. Februar 2016

Ausgeflogen


Dekorationsinferno
(aus dem fahrenden Auto fotografiert)

Ein gesundes neues Jahr des Affen miteinander! Nun ist es ganz „ruhig“ bei uns. Nicht nur für die Chinesen sind mindestens 3 Tage Feiertage, sondern auch für die Expats. Viele Bewohner unserer Enklave sind in den Urlaub oder nach Deutschland gefahren und der große Rest macht hier kurze (Ski-) Urlaube. Also haben auch wir mal die Zeit genutzt ein wenig des changchuner Umlands zu erkunden.
 
Polizeiauto zur Abschreckung auf dem Mittelstreifen
Die Straßen sind herrlich leer und rundherum sind Häuser, Autos und Straßen wunderbar geschmückt. 

 
Dieser Mittelstreifen beispielsweise ist hübsch dekoriert von einem abschreckenden Polizeipappaufsteller.
Der blinkt sogar!
 Nunja, auch die chinesische Polizei muss mal Urlaub machen :)





Auch gibt es den ein oder anderen Straßenverkaufsstand. Was es hier allerdings zu besorgen gibt, ist mir ein Rätsel. Vor zwei Jahren soll es noch an jeder Ecke Feuerwerk gegeben haben, denn man durfte hier noch kräftig böllern und das alte Jahr vertreiben, nun ist das aber verboten, aufgrund der Luft- und Lärmbelastung. Sicher auch, weil diese gewaltigen Knaller sehr, sehr gefährlich sind. Bei uns heißen die gewaltigen Bomben nicht umsonst „Chinaböller“!
Allerdings hören wir hier trotzdem die ein oder andere Erschütterung. Ein schönes Leuchtfeuerwerk haben wir jedoch bisher nicht am Himmel erspäht, jedoch massig rote Papp- und Papierreste auf den Straßen.


Unser Ziel war eigentlich ein Stausee ganz im Süden von Changchun. (Wobei ich mir nicht 100% sicher bin, ob das überhaupt noch Changchun ist.) Früher konnte man diesen See wohl mal besuchen, dort grillen, lustwandeln und die Natur genießen. Uns ist nicht klar, ob man jetzt auch auf dem Damm hätte spazieren oder sogar auf dem Eis flanieren dürfte. Wir haben uns allerdings alles nur vom Auto aus angesehen. 
Sehr cool ist auch die gesellige Giebel-Gesellschaft ganz in der Nähe. Gut vorgesorgt für den nächsten chinesischen Bauboom.
Kann man nichts sagen....es hält ja
Wenn man nun diese Mauer (tatsächlich der Regelfall!) sieht und auch das ein oder andere Haus in den kleinen Dörfern des Umlands, wird klar, dass das meiste Geld wirklich in den Städten und wirklich in (ranzige) Hochhäuser gesteckt wurde. Dennoch scheinen die Leute hier nicht unzufrieden.
Asphalt!!!!!
Einige guckten sehr verwundert, als wir uns durch die schmalen, kaputten Straßen kämpften, fotografierten und immer freundlich lächelten. 



Es ist mir völlig unerklärlich warum nahezu alle Häuser riesige Käfige mit Maiskolben vor dem Eingang stehen haben.
Kann man damit heizen? Auch der Rest der Pflanze ist überall zu sehen. Mais ist in der Tat eine Art Monokultur hier im Umland.









Den Rest gibt es offensichtlich in bunten Einkaufsstraßen zu kaufen.

Würde man nicht die chinesischen Zeichen sehen, könnte das auch die Türkei, Indien oder irgendein anderes Land mit einer geselligen Straßenkultur sein.
 


 Auch die Kälte scheint den Einheimischen nichts auszumachen. Ganz im Gegenteil! Man hat Strategien entwickelt ihr zu trotzdem. Hier ist vor dem Haus eine Art Gewächshaus gespannt, welches sicher zur Isolation dienen soll. Auch die Fenster sind oft nochmal mit extra Folie bespannt und wirklich jedes Haus besitzt einen kräftig rauchenden Schornstein. 








Postmotorrad
Wir sind im Grunde nur höchstens 40km rausgefahren und schon gibt es statt einem überdachten Postmotorrad Postesel! Super geil!
Postesel












wenn der Hai auch mal kuscheln möchte





Zum Ikea sind wir gestern etwas weiter gefahren. Diesmal nicht mit dem Zug, sondern charmante 4h mit dem Auto bei höchstens 120km/h. Aber auch das geht! Da hier noch immer Feiertage sind, kam mir das Möbelhaus auch viel, viel leerer vor als beim letzten Mal. Die entspannt schlafenden Chinesen gibt es dennoch an jeder Ecke. Besonders die Eltern sind nett anzusehen, die einfach darauf warten, dass der kleine Kaiser schön ausgeschlafen hat. 

 









Mit Rollstuhl und Kinderwagen ausgestattet, entpuppte sich der Tag dennoch als ziemlicher Kraftakt. Im Kofferraum kann so auch im größten Auto natürlich nichts mehr großartig transportiert werden... Nach gut 5h Powershopping und einer erheblichen Menge weniger im Portemonnaie zu guter Letzt noch einen leckeren Kaffee mit Neujahrsdekoration! Da freut sich doch das Herz :)




Hier noch einmal ein Beispiel für ganz natürlich gewachsenes Obst und dessen ansehnliche Sortierung in handlichen Pappschachteln. Wenn ich das richtig aufgeschnappt habe, haben hier nämlich gerade Erdbeeren Saison. Eigentlich gar nicht so übel, denn die Dinger sind tatsächlich sehr, sehr aromatisch. In die Umstände der Züchtung, des Anbaus und der Ernte denken wir uns einfach nicht rein. Und es steckt bei Weitem nicht so viel Liebe drin wie in den Erdbeeren von Opa Otto oder Mutti und Papa.








 
Zum Schluss noch eine kleine Herausforderung für alle, die Zugang zu einer Loch-im-Boden-Toilette haben. Versucht einmal ein solches Kabinchen zu nutzen, ohne den rechten Fuß auf den Boden zu stellen. Idealerweise mit zwei Krücken und einem Bein ausgestreckt!