Donnerstag, 14. Januar 2016

Es weihnachtet erneut!



Es ist soweit, es ist soweit!!! Unser Weihnachtspaket (für die Eingeweihten unter uns: Weihnaxpaket) ist endlich angekommen. Was für eine Odyssee. 
Das Paket ist vor lauter Vorfreude schon geplatzt!
Am 3.12.2015 losgeschickt und am 15.01.2016 angekommen. Eigentlich lag das gute Stück schon seit Wochen in China. Erst ewig in einer Stadt an der Grenze zu Nordkorea und später in Changchun. Erst auf Nachfrage wurde uns mitgeteilt, dass sich das Paket bald in der Auslieferung befindet und die nächsten Tage eintreffen sollte…nichts passiert. Erneute Nachfrage seitens meiner Chinesischlehrerin und so trat zu Tage, dass das Paket wohl beschädigt sei und man nicht sicher gehen könne, ob der Inhalt noch vollständig vorhanden sei. Das Problem der chinesischen Kultur liegt meiner Erachtens nach darin, dass ‚Frage‘ und ‚Problem‘ die gleiche Übersetzung haben. Probleme gibt es nicht und daher werden Schwierigkeiten oder Defizite eigentlich auch nie zugegeben oder ausgesprochen. Nunja, wir sollten also hinfahren und es abholen. Gott sei Dank hat Kelly (die Chinesischlehrerin) hierbei als Weihnachts(/x)mann fungiert!! 
Die zuständige Post befindet in einer Art Fachschule. Ein riesiger Campus, auf dem die Studenten auch schlafen. Daher auch eine Post. Irgendwo im allerhintersten Eck sind wir dann –aus meiner Perspektive wahllos- in ein Gebäude rein. Ein großer Tanzsaal mit zwei gegenüberliegenden, alten Schreibtischen, 5 Personen und einigen Stühlen, die sich am Rand verteilten wie auch die Pakete. In der Mitte blieb genügend Platz für Ausdruckstanz. Nicht dass ich etwa Tresen oder Schalter erwartet hätte, aber der klägliche Raum war schon sehr trostlos. Der, nennen wir ihn „Postbeamte“, wusste gleich was wir wollten, und zeigte uns das sehr derangierte Paket. Es fügte sich nahezu problemlos in die Umgebung ein. Egal!!! Kurze Inhaltskontrolle, ein paar Worte zum Baby und ab die Post nach Hause mit der wertvollen Fracht. Heut Abend ist also Bescherung. So kommen Stefans Seemanns-Weihnachts(/x)lieder doch nochmal zum Einsatz. Gottchen bin ich schon aufgeregt!!!

"Blumenwiese"

Nun das war wohl DAS Highlight der letzten Woche. Dennoch gab es wieder einiges zu sehen. Beim Spazieren oder Auto fahren sieht man immer wieder diese tollen, farbenfrohen Arrangements. An fast allen Straßen ist der Mittelstreifen durch so nette Plastefolie verhängt, die dem Bürger suggeriert auch bei -20 Grad würde die Flora gedeihen ohne Einschränkungen. So auch diese nette Grünanalage.

Dabei ist es die Fauna, die so einladend daherkommt bei dieses Temperaturen.











Für alle weiteren Wow-Momente sorgen gern auch die Fassaden der Restaurants.
Wenn das Schiff das Haus verlässt


























 




 








Außerdem haben wir endlich durchschaut, wieso ich als Kind immer die coolsten Lichtschalter hatte (König der Löwen!!). Papas geheimer Nebenerwerb in China.







Vielleicht sollten wir aber auch mehr auf die neu gebauten Hochstraßen hier in Changchun achten. Auf sehr fragwürdige Weise legten wir einen kurzen Stopp auf der Straße ein (was wirklich niemand irgendwie komisch fand) und betrachteten diese Meisterleistung der Ingenieurskunst! Mein lieber Schwan! Allerdings sieht mir die Konstruktion zum gegenwärtigen Zeitpunkt noch etwas wacklig aus….Möglicherweise wird das ja noch.


Nun noch zum Abschluss ein bisschen Idylle vom kleinen See. Ach ist das immer herrlich. 

Hier hat mir jetzt jemand eine Babytrage geliehen, weil sich unsere noch immer im Container befindet und das Tragetuch immer so mühsam ist. Lieben Dank nochmal! Mit der kann ich Mathild super leicht vor dem Bauch tragen. Sie genießt das total, ist schön warm und ich kann ungebunden über Stock und Stein wandern. Ende Januar soll dann unser Container kommen…



Sonntag, 10. Januar 2016

Alltag kehrt ein



So langsam kehrt im Hause Simon Alltag ein. Montags und freitags kommt die Ayi und ich habe 1 1/2h Chinesischunterricht, dienstags ist Krabbelgruppe und dazwischen stehen so schöne Dinge wie einkaufen, Sport oder spazieren gehen auf der Agenda. 

Mit Guckloch im Umhang
Neulich am Wochenende haben wir es sogar geschafft mal einen Friseur aufzusuchen. In Deutschland habe ich so schlimme Schauergeschichten gehört, dass es hier sehr ruppig und aggressiv von statten geht, aber bestätigen kann ich das nicht. Gut, ich war auch nicht die, die hochprofessionell 45Minuten lang mit Schere, Kamm und reichlich Spritzwasser bearbeitet wurde.
 Das Ergebnis kann sich eigentlich sehen lassen. Witzig ist allerdings, dass eine von einem Chinesen gestylte Tolle meinen Mann in der Tat auch ein wenig wie einen Chinesen hat aussehen lassen. Kurios, aber akzeptabel…. Auch rundherum gab es einiges zu erblicken. 

So wurde im „VIP-Raum“ ein junger Herr mit allen Farben des Regenbogens versorgt und seine Haare anschließend ebenso adrett zur Dauerwelle gelegt, wie die dieses jungen Herren hier. 
Dauerwelle scheint aktuell
DER Hit zu sein
Der nette Junge mir gegenüber hat wirklich die gesamte Zeit auf dem Tablett irgendein Spiel bei voller Lautstärke gespielt. Mutti und Oma saßen wohl daneben. (Irgendwann muss ich mich wohl hier nochmal lang und breit über die kleinen Kaiser auslassen.) 



Lockenwicklerhängeerleichterung im
Hintergrund
In der anderen Ecke des Raumes wurde eine hübsche Dame blond gefärbt –eine Schande! Und zu meiner Ermunterung gab es noch eine Dame deren Haare wohl in Wellen gelegt wurden. Die Lockenwickler wurden zu diesem Zweck hübsch auf einem Gestell aufgehängt, sodass die Pracht gemütlich trocknen konnte. Sehr schön anzuschauen.




 




Insgesamt kann ich mich nicht erholen von so manchem Einkaufseindruck. Hat jemand schon einmal so eine Mohrrübe gesehen? 

Nicht einmal Muttis allseits bekannter Plutoniumgarten bietet derartige Früchte. Ein Wahnsinn!!! Aber noch viel imposanter sind die viiiiiielen Menschen hier:
Himmel und Menschen!!

Grad kein Andrang bei der Wiegefrau



 

Das System sieht vor, dass man sich Obst und Gemüse in diesem Supermarkt zwar selber nimmt, allerdings anschließend wiegen lässt. Dazu steht man nicht etwa regelkonform an einer Schlange an und wartet bis man dran ist. Nein, alle stehen im Kreis um dieses Tischchen und wer zuerst drauflegt, wird gewogen. Bisschen Casinocharme. Die nette Frau tippt irgendwas, klebt den Beutel zu und dieser wird nahezu selbstständig vom Nachschub weggedrängt.





Nach diesem Highlight mussten wir erst einmal bequem deutsch essen gehen. Das ‚3 Kronen‘ ist eines unter wohl einigen Gaststuben mit mehr oder weniger „deutscher“ Küche. Die Speisekarte konnte sich in jedem Fall sehen lassen. Mein Krustenbraten mit Semmelknödeln dagegen eher nicht. Wenn man ihn allerdings nicht als Krustenbraten und die Knödel nicht als Knödel gegessen hat, ging es eigentlich. Besonders vor dem Hintergrund der urigen Kulisse vor Ort.

Die Bedienung trug sogar Dirndl –allerdings mit Hose und Kragen bis zum Kinn. Trotzdem hübsch anzusehen.
Auf Anfrage wurde sogar die Musik leiser gedreht, damit Mathild schön schlafen kann. Sehr besorgt und engagiert die Truppe!



Sonntag, 3. Januar 2016

Auf ins neue Jahr, das Abenteuer geht weiter



Ein fröhliches neues Jahr miteinander!

Ich hoffe ihr habt auch ohne uns halbwegs angenehm feiern können….Im nächsten Jahr werden wir versuchen wieder in Deutschland den Jahreswechsel zu begehen –so der Plan!
Dennoch haben wir hier wirklich ganz vorzüglich gefeiert. Es gab Raclette und Schokofondue. Beides Gerichte, die einen erst ewig nicht sättigen und dann einschlagen wie eine Bombe. Ein Müdigkeitstief setzte dennoch nicht ein und 2016 hat auch uns ereilt. Das vorerst wohl spannendste Jahr meines Lebens liegt nun hinter mir, mal schauen wie das Kommende läuft. Bleiben wir neugierig!


Auch bei uns ging alles einen Schritt langsamer. Stefan hatte Urlaub und konnte erstmalig ein bisschen zur Ruhe kommen. Entsprechend wenig gibt es auch zu berichten. Hinzu kommt, dass die Luftwerte in den letzten zwei Wochen meistens einfach miserabel waren. Bevor wir hier her kamen, hieß es immer im Winter sei es zwar fürchterlich kalt, aber wenigstens sei die Luft gut. Leute ey, Pustekuchen! Mathild schläft die meiste Zeit im Wohnzimmer, weil ich das Gefühl hab, dass der Luftreiniger gar nicht das ganze Haus gereinigt bekommt, wenn die Werte über 400 liegen. Aber gut, aktuell gibt es Licht am Ende des Tunnels….im Moment liegt der Wert etwa bei 100. In Deutschland noch immer gesundheitsgefährdend, hier Verhältnisse wie im Luftkurort.



 








Dennoch haben wir es nun auch geschafft mir ein Konto einzurichten. Der erste Anlauf diesbezüglich musste leider scheitern, weil die liebe Frau Simon auf der „Blacklist“ stand. Was das zu bedeuten hat, weiß ich nicht. Möglicherweise weiß die Regierung da mehr und kann mir behilflich sein, sobald dieser Post gelesen wurde J Auch warum der Spaß jetzt –nach über eine Stunde Verwaltungsaufwand- funktioniert hat, ist mir ein Rätsel. Klar ist jedoch, dass ich mindestens drei Formulare unterschrieben hab, deren Inhalt ich bis heut nicht kenne. Die PIN sucht man sich hier selbst aus und als Referenz fürs Konto werden Pass und chinesische Telefonnummer benötigt. Seis drum, es hat ja funktioniert!



Ansonsten haben wir gar nicht viel mehr erlebt außer Einkaufen und essen gehen. Was einen da manchmal so in den Geschäften und Einkaufszentren begegnet, ist allerdings schon einen kleinen Kommentar wert. Diesmal: ca. 30 Computerspieler (Gamer!), die in mitten einer neugierigen Einkaufsschar irgendein (Kriegs-?) Spiel gespielt haben. Hochprofessionell mit Headset und in der Tat: stylisch-wassergekühlten PCs. Auf einer riesigen Leinwand wurde ein Spielvorgang übertragen und die Zuschauer schienen gefesselt bis in die Haarspitzen, was uns wiederum fesselte. 


Ab heute geht der Alltag wieder los, das Dorf füllt sich so langsam wieder und wir werden (hooooooooooffentlich) weiter die Gegend erkunden.